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Was macht mein Kind stark?

Was macht mein Kind stark?

Gibt es etwas, dass sich Eltern sehnlicher wünschen als die Gewissheit, dass ihr Kind stark, widerstandsfähig und voller Freude durchs Leben gehen kann? Verletzungen, die Kinder erleiden, lassen Eltern oft in mindestens gleichem Maße leiden. Manche dieser Erfahrungen werden als sehr einschneidend erlebt. Doch gerade Verletzungen, egal ob körperlicher oder seelischer Art, sind unvermeidlich und nichts wovor Eltern ihre Kinder komplett schützen können. Was wir aber tun können ist dafür Sorge zu tragen, dass unsere Kinder stark genug sind schwere Situationen und Lebensumstände besser zu ertragen. Doch was genau ist das, was unsere Kinder stark macht und wie können wir unser Kind unterstützen diese Stärke zu finden?

Wir haben dazu Elisa Dannischewski befragt. Sie ist Sonderpädagogin und hilft Kindern in ihren Kursen sich ihrer eigenen Stärke bewusst zu werden.  


Liebe Elisa, Du trainierst in Berlin und Umgebung Kinder zu starken Kindern. Was ist Inhalt dieser Trainings und was genau meinst Du mit stark?

In meinen Trainings entdecken die Kinder ganz kurz gesagt den Superhelden in sich! Die genauen Inhalte sind vielfältig. Zum einen werden die Kinder selbstsicherer in ihrer Kommunikation und ihrem Auftreten und können so mit schwierigen Situationen widerstandsfähiger umgehen. Zum anderen lernen sie, ihre eigenen Grenzen besser wahrzunehmen und so klarer zu erkennen, was gut für sie ist und von welchen Dingen sie eher Abstand nehmen sollten. Das Herzstück des Trainings ist es jedoch vor allem, dass die Kinder Strategien entwickeln, wie sie mit den Konflikten, in die Kinder am häufigsten geraten, umgehen sollten, um möglichst wenig Streit und Stress zu haben. Dadurch, dass alle Kursinhalte sofort in Übungen umgesetzt werden, erleben die Kinder die positiven Effekte sofort und können sie gut verankern. Diesen temporeichen Inhalten stehen dann aber auch meditative Übungen zur Stärkung der inneren Balance und Selbstliebe gegenüber. Die Kinder können über sich hinauswachsen und haben dabei richtig viel Spaß – das ist für mich ein wichtiger Faktor.
Somit bedeutet „stark“ in meinem Training nicht, mit Muskeln und harten Worten weiter zu kommen, sondern stark zu sein, durch eine starke Persönlichkeit, die genau weiß, was sie möchte und was sie kann.

Wie bist Du auf das Thema gestoßen und was daran hat Dich dazu bewegt, dass Du Dir das "Starke Kinder"-Training zur Berufung gemacht hast?

Mein Wunsch, Kinder zu bestärken und ihnen dabei zu helfen, sich ihrer Ressourcen bewusst zu werden, war eigentlich bereits mein Hauptanliegen, als ich mich vor 11 Jahren für das Sonderpädagogikstudium entschieden habe. Im Laufe meiner Arbeit im Schulalltag hatte ich dann aber immer so ein wenig das Gefühl, dass es im Rahmen des Unterrichts doch eindeutig an Zeit fehlt, auf viele soziale Probleme, vorwiegend Streitsituationen zwischen den Kindern, nachhaltig sinnvoll einzugehen. Natürlich gibt es Sozialarbeiter, die teilweise zur Seite stehen und man gibt als LehrerIn sein bestes – aber mir hat das nicht gereicht. Gleichzeitig merkte ich aber auch, dass wir LehrerInnen oftmals gar nicht einer Meinung waren, wie man nun mit Situation X umgehen sollte. Dementsprechend war ich schon einige Monate immer mal wieder nebenbei auf der Suche nach neuem Input. Im vorigen Winter wurde ich dann auf eine Anzeige von Daniel Duddek von Stark auch ohne Muckis aufmerksam – ein deutschlandweit bekannter Kinder- und Jugendcoach. Er bot erstmals eine Ausbildung zum und Selbstbehauptungs- und Resilienztrainer für Kinder an und da machte es „klick“ in mir! Wieso nur den Kindern in meiner Schule helfen? Wieso nicht so vielen Kindern wie möglich zu einem entspannteren Leben verhelfen? Gedacht, gesagt, getan – nun bin ich seit vorigem Winter auf diesem Weg und habe mich kurzerhand damit nebenbei selbstständig gemacht und merke jeden Tag aufs Neue, dass persönliche Weiterentwicklung für Kinder eine so wichtige und ergänzende Komponente ist zu dem, was sie jeden Tag in der Schule lernen. Ich finde es großartig, mit den Kindern zu arbeiten und zu sehen, wie sie dabei über sich hinauswachsen, Erkenntnisse sammeln und Spaß haben.

 

Hast Du als Kind Erfahrungen gemacht, die Dich in die Spur gesetzt haben, Kindern dabei zu helfen sich im Alltag besser zu behaupten?

Im Nachhinein betrachtet denke ich ja. Als Kind wollte ich es immer jedem recht machen, vergaß dabei aber oftmals die wichtigste Person – mich selbst. Ich sah immer deutlich jünger aus als ich es war und wurde vor allem zu Beginn der Oberschulzeit mit vielen blöden Kommentaren und Witzen über meine Größe konfrontiert. Erst durch ein neues Umfeld ein paar Jahre später lernte ich dann, mich endlich frei und selbstsicher zu fühlen. Daraus entstand dann zum Ende der Schulzeit auch die Passion, Kinder frühzeitig zu stärken und sie zu begleiten.

Wer ist Deine Zielgruppe?

Grundsätzlich ist mein Training mit den Kindern ein präventives Training. Die Kinder lernen, wie sie sich verhalten können, wenn sie in eine der häufigsten Konfliktsituationen geraten. Sie lernen aber ebenso, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, sich ihrer Stärken bewusst zu werden und mit mehr Respekt und Achtsamkeit durch ihr Leben zu gehen.  Man kann also nicht sagen, dass das „Starke Kinder“-Training nur für Kinder gedacht ist, die besonders schüchtern oder ruhig sind oder gar häufig geärgert werden. Jeder nimmt etwas daraus mit – und meist sind es die vermeintlich nach außen hin „rebellischen“ Kids, die im Inneren ganz viel Unterstützung und Erkenntnis benötigen.
Momentan ist mein Training auf Kinder von der Vorschule bis zur 4. Klasse ausgerichtet, also bis sie etwa 10 Jahre alt sind. Es besteht aber durchaus die Idee, noch ein Training für etwas ältere Kinder anzubieten in der Zukunft.


Welche Rolle spielen die Eltern in Deinen Trainings oder dabei, dass Deine Trainings nachhaltig Wirkung zeigen?

Natürlich ist vor allem die Haltung der Eltern zu den Problemen der Kinder absolut maßgeblich. Ich bringe den Kindern bei, wie sie es schaffen, dass Ihnen Beleidigungen anderer egal sein können und wie sie ganz entspannt und selbstsicher einfach weggehen sollen, wenn sie jemand beleidigt. Wenn dann aber zuhause ein Elternteil nach der Schule weiterhin sagt: „Was? Das darfst du dir nicht gefallen lassen, dass der Junge so mit dir redet – da musst du dich wehren…“ , dann ist dem Kind auf Dauer nicht geholfen, da es nun noch viel unsicherer ist, wie es optimalerweise reagieren soll.
Ich denke ehrlich gesagt, nicht nur bei vielen Eltern sondern ebenso bei vielen ErzieherInnen und auch LehrerInnen herrscht oftmals selbst große Unsicherheit, was sie ihren Kindern und Schützlingen raten sollen, damit es ihnen WIRKLICH dauerhaft besser geht. Man lernt das ja auch nirgendwo normalerweise.
In meinen offenen Trainings gibt es am Ende eine kurze Inforunde für die Eltern, damit diese so gut wie möglich mit ins Boot geholt werden und ihre Kinder zuhause dabei unterstützen können, die erlernten Inhalte weiter zu üben. Ich biete aber in Kitas oder Schulen beispielsweise auch an, einen Elterninfoabend zu halten, wo das ganze natürlich ausführlicher besprochen wird.


Welche Verhaltensweisen beobachtest Du im Alltag, mit denen Erwachsene Kinder schwächen?

Das ist eine sehr interessante Frage. Ich würde erst einmal jedem Erwachsenen unterstellen, dass er nicht wissentlich Kinder schwächen möchte. Fast immer sind Verhaltensweisen, die Erwachsene an den Tag legen, erlernte Verhaltensstrukturen aus der eigenen Kindheit, die man dann später unreflektiert als ganz selbstverständlich auch in der Interaktion mit Kindern nutzt.

Ich denke persönlich, dass eines der problematischsten Dinge, die ich tagtäglich beobachten kann, die Missachtung des Kindes und der kindlichen Bedürfnisse ist. Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass ein Kind mit seinen wenigen Jahren Lebenserfahrung, Dinge, die wir für richtig halten, auch als richtig empfindet oder verstehe. Es hat völlig andere Bedürfnisse in den meisten Situationen, als wir sie haben. Wenn ein Kind dann immer wieder hört: „Das wird jetzt so gemacht!“, „Keine Widerrede, ich weiß was gut für dich ist!“ oder ähnliche Sätze, dann verliert es Stück für Stück den Glauben in sich selbst, sein Bauchgefühl und seine Bedürfnisse. Und genau das ist dann so fatal, wenn es beispielsweise in Konfliktsituationen auf dem Schulhof gerät.


Was wünscht Du Dir von Erwachsenen im Umgang mit Kindern?

Ich wünsche mir vor allem, dass Erwachsene die Kinder wirklich sehen und wahrnehmen. Auch unerwünschten Verhaltensweisen beispielsweise liegt immer zugrunde, dass das Kind aus der für sich selbst vermeintlich besten Option heraushandelt. Wenn wir selbst bewusster mit unseren Kindern reden, sie wahrnehmen, ihnen zuhören und sie auch in Entscheidungen mit einbeziehen, also insgesamt wertschätzend und auf Augenhöhe mit ihnen kommunizieren und leben, dann können Kinder sich so entwickeln, dass sie respektvoll mit anderen umgehen, aber eben auch in ihrer eigenen Kraft und Selbstwahrnehmung gestärkt sind.  Das Thema Lernen durch Vorbildfunktion spielt hierbei eine ganz gewichtige Rolle.

Wenn es eine Sache geben würde, die wir „Großen” jeden Tag machen können, um Kinder zu stärken, welche Sache wäre das?

Anknüpfend an die vorherige Frage würde ich da noch ergänzen: Verschafft eurem Kind tolle Erfahrungen und Erfolgserlebnisse. Das können große Dinge sein wie einen Kletterpark besuchen oder zum Töpfern zu gehen, aber es können auch jeden Tag ganz kleine alltägliche Dinge sein – überlegt euch da am Besten gemeinsam zuhause Kleinigkeiten, die euer Kind stärken können. Feiert z.B. abends nach dem Abendessen 5 Minuten eine Party mit der Lieblingsmusik des Kindes, schreibt gemeinsam auf, wofür ihr dankbar seid oder sagt eurem Kind ganz ehrlich und aufrichtig, dass ihr es so liebt , wie es ist – ohne wenn und aber.

Liebe Elisa, wir freuen uns, dass Du Deine Erfahrungen mit uns geteilt und danken Dir von Herzen für die großartige Arbeit, die Du mit Kinder leistet. 

 

Elisa Dannischewski starke kinder

Über die "starke Kinder"-Trainerin
Mein Name ist Elisa Dannischewski – ich bin Sonderschulpädagogin und Trainerin für Selbstbehauptung- und Resilienz bei Kindern. Seit 2012 unterstütze ich Kinder mit viel Freude und Gewissenhaftigkeit dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten, ihre Ressourcen zu nutzen und eine glückliche Kindheit zu leben.
Hierfür gebe ich offene Kurse am Wochenende (nächster Termin: 18.01.2020) oder Trainings in Hort und Kita in Berlin und angrenzenden Teilen Brandenburgs. Gerne gestalte ich auch PädagogInnenfortbildungen zum Thema. Schaut doch auf meiner Seite www.starke-kinder-training.de vorbei oder folgt mir für aktuelle Infos auf meiner Facebook Seite. Ich freue mich auf euch! 😊

 

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